Geschichte der IFK

History / Histörchen   2011 sind 30 Jahre IFK !!!

Im Laufe der Zeit haben sich eine Menge Geschichten und Gegebenheiten zugetragen, die allesamt erzählt werden sollten. Wir werden deshalb alle möglichen Geschichten und Informationen sammeln und hier zum Lesen bereitstellen. Es werden amüsante aber auch nachdenkliche und traurige Geschichten sein. Gleichzeitig ergeht hier die Bitte an alle, die etwas zum Besten geben können dies auch zu tun. Schickt uns was Ihr zu erzählen habt in Papierform oder besser noch als E-Mail – wir werden nicht damit warten dies auf dieser Seite zugänglich zu machen. Auch Bilder wären sehr nett. Also noch einmal ein Aufruf an alle aktuellen und ehemaligen Kids, aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter, Praktikanten oder Vereinsmitglieder aber auch Kollegen aus den Ämtern oder Lehrer die mal was mit uns zu tun gehabt haben: Schickt uns Material!

Seit 1994 hat sich in der ifk ein grundlegender Wandel vollzogen. Das war folgerichtig und notwendig. Unter der Leitung von Annette und Harald Bogner entstand ein vollkommen neues Konzept das sich immer weiter entwickelt und Erkenntnisse, Erfahrungen und die Ergebnisse der aktuellen Forschung mit einbezieht. Auch an den aktuellen Bedarfen und Bedürfnissen will sich ifk orientieren und seine Angebote ausrichten.

2003 hat der Verein das Haus in der Wallenrodstraße gekauft und nach und nach renoviert, es wurde eine sparsamere Heizung eingebaut, Das Dach wurde isoliert und erneuert, Solarzellen helfen Kosten für Warmwasser sparen, die Dachgeschoßwohnung beherbergt nun Kinderzimmer, alle Bäder wurden grundsätzlich umgestaltet und zuletzt haben wir unser Ess- und Wohnzimmer vollkommen neu gestaltet.


Damals:


Habt ihr z.B. gewusst, dass Gerd Grasshauser – besser bekannt als Geraldino – in seinen jungen Jahren mal ein Praktikum hier gemacht hat – sorry Gerd, jetzt wissen es alle! Glaubt Ihr nicht, dann fragt ihn doch selber.


Uli Kutzer hat eine Geschichte geschrieben anlässlich des 20 Jährigen Vereinsbestehens:

20 Jahre Kleinstheim ifk in Schwabach


„Sehen Sie mal zu, dass es ihr Heim in 3 Jahren noch gibt, dann können Sie ja mal wieder vorsprechen…“.

Dies war, wenn auch in ihrer drastischsten Form, eine der Antworten der regionalen Jugendämter, auf die Vorstellung und die Bitte um Einweisung von Kindern oder Jugendlichen in unser neu gegründetes familienähnliches Kleinstheim, im Jahre 1981.

Blieb also nur Berlin! Aufgrund der Ghettosituation damals, waren die Berliner Jugendämter sehr interessiert, die allerschwierigsten Kinder aus Berlin hinaus, in die Bundesrepublik zu bekommen. Ein neu gegründetes Heim, mit noch unverschlissenen, idealistischen Berufsanfängern, die vor nichts zurück zu schrecken schienen, kam da gerade richtig.

Mit den Adressen von Auffangheimen für Berliner Trebegänger versehen, bei denen alle ambulanten, stützenden Maßnahmen erfolglos geblieben waren, stellten wir den ersten Kontakt mit einigen Jugendlichen in dieser Art von „Zwischenlager“ her. Nach dem obligaten ‚Beschnuppern‘ oder in diesen Fällen, eher einer Art Schlagabtausch, dem Festlegen der Konditionen, war der „Deal“ perfekt und vereinbart, wann die Jugendlichen nach Schwabach kommen würden. Die wenig optimistischen, aber doch auch tröstlichen, weil Druck weg nehmenden Worte eines Berliner Sachbearbeiters: „Wenn Sie ihn nach einer Woche wieder postwendend zurückschicken, ist es genau das, was ich erwarte“, noch im Ohr, machten wir uns auf den Weg zurück ins idyllisch-verschlafene, von allen Großstadt-Unbilden verschonte Schwabach.

3 Wochen später war der erste Berliner Jugendliche da und Schwabach hatte seinen ersten Punk!

Der Schock für die Schwabacher Hauptschule mochte wohl kaum größer gewesen sein, als er eines Oktobermorgens im Klassenzimmer stand, angetan mit fast der ganzen Montur seiner Zunft – (den Munitionsgürtel hatten wir ihm zu Hause schon mal abgenommen): Springerstiefeln, zerlöcherten, bemalten Jeans, dicker Lederjacke, versehen mit allen möglichen Anarchozeichen, deren eigentliche Bedeutung ihm wohl verborgen blieb –Hauptsache Provokation! Alle Versuche TeTe – so wollen wir ihn nennen – abzuweisen, scheiterten. Der Kelch ging nicht vorüber – unsere Genehmigungen, behördlichen Papiere, Unterlagen, An- und Abmeldungen waren vorhanden, der Sprengel stimmte, der Junge durfte eingeschult und musste aufgenommen werden!

Zum Erstaunen aller Beteiligter, schafften wir es, aus dem provokanten Großstadtkind, mit seiner frechen Berliner Schnauze, einen akzeptierbaren, über Strecken sogar liebenswerten Jugendlichen zu machen. Gegenseitige Akzeptanz und Verständnis, lösten allmählich Ablehnung, Unverständnis, Intoleranz, Trotz und Provokation ab.

Mit TeTe fing es an, es folgten weitere Berliner Kinder, aber auch die Region, als Vorreiter die großstädtischen Jugendämter München Nürnberg, Ingolstadt, Stuttgart, Frankfurt, erkannte die Möglichkeit schwierige Kinder auf Dauer bei uns unterzubringen.

Und es ist gewiss nicht alleine unser Verdienst, sondern aller Menschen und Institutionen, die an der Resozialisierung der vielen Jugendlichen, die bei uns lebten, beteiligt waren, dass – natürlich nicht alle – aber doch sehr viele junge Menschen, wieder erfolgreich in der Gesellschaft Fuß fassen konnten.

Die Zusammenarbeit mit den Lehrern – im Lauf der Jahre hatten wir Kinder und Jugendliche in Grundschule, Hauptschule, Sonderschule, Realschule und Gymnasium – und anderen wichtigen Einrichtungen, wie beispielsweise Freizeiteinrichtungen und Sportvereinen, in Stadt und Land, funktionierte sehr gut.

Natürlich gab es auch Misserfolge, Brüche in der Resozialisierung, Rückschläge, Tiefschläge. Dennoch ziehen wir insgesamt eine positive Bilanz. Im Laufe der Jahre haben sich in Schwabach, Nürnberg und Umgebung etliche unserer Kinder angesiedelt, als Unternehmer, Angestellte, Sozialpädagogen, Studenten, Mütter und Väter. TeTe übrigens, unser erstes Kind, lebt und arbeitet jetzt in Oberfranken. Er ist verheiratet und hat 3 Kinder. Am weitesten gebracht aber hat es ein Mädchen, das einst aus München zu uns kam. Sie lebt heute in Brasilien.

So hat das Kleinstheim ifk also nicht nur die ersten 3 Jahre überlebt, sondern existiert nunmehr 20 Jahre und ist in Schwabach selbst eine kleine Institution geworden.

Dank der Heimaufsicht und allen Jugendämtern, die gerade in der Anfangszeit an uns glaubten, allen Kindern und Eltern, die sich auf uns einließen, allen Menschen in Schwabach, die uns unterstützten und unseren Kindern eine Heimat gaben, Dank auch an die neue Leitung, die seit 1994 die Aufgabe fortsetzt.


Ulrike Kutzer

Mitbegründerin und Leiterin

des Kleinstheimes ifk e.V. von 1981- 94